{"id":79,"date":"2013-03-18T11:45:06","date_gmt":"2013-03-18T11:45:06","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.fodina.de\/?p=79"},"modified":"2023-01-03T22:01:34","modified_gmt":"2023-01-03T21:01:34","slug":"open-source-diversity","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2022.fodina.de\/en\/open-source-diversity\/","title":{"rendered":"Ein Weg zur FreiFrau"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/2022.fodina.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/princess.png\" data-fancybox=\"\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-1384\" src=\"https:\/\/2022.fodina.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/princess.png\" alt=\"\" width=\"55\" height=\"80\"><\/a>oder: <strong>ein bisschen innerfamili\u00e4re Open Source Diversity.<\/strong> Auf den<a href=\"http:\/\/chemnitzer.linux-tage.de\/2013\/\"> Chemnitzer Linuxtagen<\/a> 2013 sprach ein Free Software Apologet,<!--more \u2192 ... --> n\u00e4mlich <a href=\"http:\/\/wiki.fsfe.org\/Fellows\/reinhard\">Reinhard M\u00fcller<\/a> zum Thema &#8220;<a href=\"http:\/\/chemnitzer.linux-tage.de\/2013\/vortraege\/375\">Mach dich Frei: Wie man die Welt rettet. E<\/a><a href=\"http:\/\/chemnitzer.linux-tage.de\/2013\/vortraege\/375\">ine Kurzanleitung in 5 einfachen Schritten<\/a>&#8220;. Gestern Abend ging es dann bei mir zu Hause zur Sache, beim Abendessen, mit meiner Frau. Genau dieses Vortrages wegen<\/p>\n<p>Zugegeben, Reinhard hatte da einen Hardcore-Standpunkt vertreten. In freien demokratischen Gesellschaften m\u00fcssten essentielle Infrastrukturen der Gemeinschaft geh\u00f6ren. Es k\u00f6nne nicht sein, dass sie in die Hohheit einzelner Firmen \u00fcbergeben w\u00fcrden, die die Nutzer dann zu einem ihren Interessen gem\u00e4\u00dfen Verhalten zwingen. Und die IT sei exakt so eine essentielle Infrastruktur.<\/p>\n<p>An diesem Punkt lag \u2013 unausgesprochen &#8211; eine Analogie in der Luft: Wir, der demokratische Souver\u00e4n, hielte es doch gewiss f\u00fcr absurd, \u00fcberg\u00e4be man das deutsche Stra\u00dfennetz der STRABAG und lie\u00dfe diese z.B. festlegen, dass man auf deren Stra\u00dfen nur noch Opel fahren d\u00fcrfte \u2013 was uns nicht des Opels wegen absurd vork\u00e4me. Aber \u00e4rgerlicherweise \u2013 so die Botschaft der Ausgangspunkt in dem Vortrag \u2013 n\u00e4hmen wir, das Volk, analoge Versuche im IT Bereich v\u00f6llig klaglos hin. Im Gegenteil, es g\u00e4be den akzeptierten Hang zum \u201egl\u00fccklichen Sklaven\u201c.<\/p>\n<p>Und was w\u00e4re \u2013 laut Reinhard M\u00fcller &#8211; der Ausweg aus dieser \u201aselbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit\u2018: Nun, man k\u00f6nne doch \u2013 erst mal jeder f\u00fcr sich &#8211; Schritt f\u00fcr Schritt sich seine je eigene wirklich freie IT-Infrastruktur ausformen. Das entscheidende Kriterium sei die Existenz von Alternativen. Und nach dem Simplify-Prinzip k\u00f6nnte sogar ganze Migrationsprojekte vorgehen, ohne zu scheitern, n\u00e4mlich schlicht nach der Regel \u201avom Einfachen zum Komplexen\u2018:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Nutze nur freie Kommunikationswege<\/strong>. Verzichte auf Medien, die an spezifische Firmen gebunden sind (kein Skype, kein Whatsapp, [lieber echtes Telefon und Join \ud83d\ude09 ])<\/li>\n<li><strong>Nutze nur freie Datenformate<\/strong>. Verzichte auf Formate, die in ihrer Struktur unbekannt und an spezifische Firma gebunden sind (kein Kindle ,[lieber Tolino]),<\/li>\n<li><strong>Nutze nur freie Anwendungen<\/strong>, um diese Daten zu lesen und\/oder zu modifizieren (kein Acrobat, lieber evince).<\/li>\n<li><strong>Nutze nur freie Betriebssysteme<\/strong> zum Betrieb dieser freien Anwendungen [kein Apple, lieber GNU-Linux]<\/li>\n<li><strong>Sei ein freier selbstbestimmter (IT-)Mensch<\/strong>.<\/li>\n<\/ol>\n<p>So weit, so gut oder schlecht. Ich wollte von Reinhard M\u00fcller dann wissen, wie ich so etwas meiner Frau nahebringen solle. Er m\u00fcsse bei seinem Ratschlag allerdings ber\u00fccksichtigen, dass meine Frau ihre eigenen sch\u00f6nen Kopf habe. F\u00fcr sie m\u00fcsse die Technik ohne Aufwand smooth funktionieren. Und schick m\u00fcsse sie sein, die Technik &#8211; weshalb sie, meine Frau, bis jetzt im Apple-Biotop lebe. Und mit Moral brauche man ihr schon mal gar nicht zu kommen. Was also \u2013 so wollte ich wissen &#8211; solle ich da tun?<\/p>\n<p>Na, \u2013 so Reinhard &#8211; meine Frau geh\u00f6re dann halt eben zu den \u201egl\u00fccklichen Sklaven\u201c. Er habe gar nix gegen gl\u00fcckliche Sklaven (auch wenn diese f\u00fcr die gef\u00e4hrlichsten Gegner der Freiheit halte), er wolle nur seinerseits nicht gezwungen werden, solch unfreie Sachen nutzen zu m\u00fcssen. Vielleicht sei ja so ein Toleranzmodell auch bei mir innerfamili\u00e4r denkbar.<\/p>\n<p>Tja, abends hab ich dann meiner Frau davon zu erz\u00e4hlt. Da ging\u2019s aber ab:<\/p>\n<p>Zum ersten hat sie mir um die Ohren gehauen, dass sie sehr wohl aus moralischen Gr\u00fcnden auf eine bessere \u00c4sthetik verzichte. Ich br\u00e4uchte doch nur mal an den Austausch der Kaffeemaschine zu denken, weg von den umweltbelastenden Nespresso-Alu-Kapseln, hinzu normalen Bohnen in einer weniger schicken und umst\u00e4ndlicheren Maschine. Wer etwas von ihr wolle, m\u00fcsse ihr das eben einfach und nachvollziehbar erkl\u00e4ren. Und genau das t\u00e4ten diese ganzen Open Source Gurus ja gerade nicht. Da sei immer alles so kompliziert, dramatisch und vielschichtig \u2013 und m\u00fchselig zu verstehen. Also wenn diese Open Source Community sie &#8211; meine Frau &#8211; gewinnen wolle, dann m\u00fcsse sie &#8211; diese Community &#8211; sich schon etwas um sie &#8211; meine Frau &#8211; bem\u00fchen. Dann klappe das auch mit der Nachbarin.<\/p>\n<p>Und dann immer wieder dieses absto\u00dfende Gut-Und-B\u00f6se-Gehabe. Hier die guten Open Sourceler, da die \u201egl\u00fccklichen Sklaven\u201c, die entweder zu dumm seien, die Technik und die Konsequenzen zu begreifen, oder schlicht zu faul oder zu ignorant. Sie sei gl\u00fccklich, aber keine Sklavin. Es sei ihr Recht, die Dinge einfach haben zu wollen. Sie d\u00fcrfe die IT nutzen wollen, ohne zum Experten werden zu m\u00fcssen. Ihr Leben habe einen anderen Sinn. Und sie sei nicht abh\u00e4ngig. Oder wenn, dann allenfalls in dem Sinne, wie sie von mir abh\u00e4ngig sei, ihrem Mann. Und daran wolle ich doch wohl hoffentlich nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Da hab ich dann \u2013 sehr, sehr vorsichtig &#8211; angemerkt, dass Amazon doch aber schon bestimme, welche B\u00fccher sie zu lesen bek\u00e4me, wenn Amazon unter der Hand Versionen auch von schon gekauften B\u00fcchern austausche. Undschlie\u00dflich g\u00e4be da schon einen gro\u00dfen Unterschied zwischen Amazon und mir: Mich k\u00f6nne sie ersetzen, sie k\u00f6nne die Schl\u00f6sser austauschen, ins Hotel ziehen oder meine Sachen vor die T\u00fcr stellen \u2013 und uneingeschr\u00e4nkt gl\u00fccklich weiterleben. Amazon k\u00f6nne sie nicht vor die T\u00fcr setzen, ohne ihre ganzen B\u00fccher zu verlieren. Und Apple auch nicht, ohne keine Musik mehr zu haben.<\/p>\n<p>Das m\u00f6ge ja sein \u2013 meine Frau hielt weiterhin vehement dagegen -, nur bleibe es dann immer noch eine Frechheit, sie als \u201egl\u00fcckliche Sklavin\u201c zu deklassieren. Sie d\u00fcrfe sich doch ihr Leben wohl so organisieren, wie sie es wolle &#8211; und zwar ohne dass selbsternannte Gutmenschen den Stab \u00fcber sie br\u00e4chen. Und wenn diese Open Source Weltverbesserer schon die Welt verbessern wollen, dann sei sie ja wohl ein Teil dieser Welt. Und durch Beschimpfungen und Herabw\u00fcrdigungen anstelle von [energischer Unterton:] einfachen [sehr energischer Ton:] handlichen [sehr energischer Oberton:] Begr\u00fcndungen sei noch niemand vom Besseren \u00fcberzeugt worden.<\/p>\n<p>Wie eigentlich immer hatte ich auch gestern wieder den Eindruck, dass meine Frau die Sache auch richtig s\u00e4he und dass ich an meinem Standpunkt noch \u00fcberabreiten m\u00fcsse. Vielleicht sollte ich Reinhard das mal schreiben\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>oder: ein bisschen innerfamili\u00e4re Open Source Diversity. 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